Archiv
Hubschraubertechnik
Grundlagen der Hubschrauberfliegerei
Vorbemerkungen
Als Erfinder des Hubschraubers gilt allgemein Leonado da Vinci, mit
seinen Zeichnungen aus dem Jahre 1483 hat er praktisch die Grundlagen
des Hubschrauberfliegens gelegt. Professor Heinrich Focke entwickelte
den ersten Serienhubschrauber der Welt. Von einem anderen
Hubschrauberpionier, Igor Sikorsky, ist folgendes Zitat überliefert:
" Die vielen Verwendungen, die Hubschrauber heute finden, habe ich
nicht vorrausgesehen. Aber ich bin der Überzeugung gewesen ,daß ein
Fluggerät, das wie ein Kolibri fliegen kann, äußerst nützlich sein
würde."
Sikorsky hat nicht übertrieben, so zeigt der Hubschrauber gegenüber dem
Starrflügler eine Vielzahl von Vorteilen. Er kann aus dem Stand abheben
und senkrecht landen, vorwärts, rückwärts und seitwärts fliegen,
senkrecht steigen und sinken, in der Luft schweben und sich dabei um
seine vertikale Achse drehen. Diese Vorteile besitzt der Hubschrauber
deshalb, weil bei ihm im Gegensatz zum Starrflügler der Auftrieb ohne
Vortrieb erzeugt wird.
Themenauswahl
(wird ständig erweitert)
Abkürzungen und Fachbegriffe
Auftrieb im Schwebeflug
Boden-Effekt / Ground-Effekt
Vertikaler Steig- und Sinkflug
Kräftegleichgewicht beim Schwebeflug und Horizentalflug
Rotoranordnungen
NOTAR (No Tail Rotor/ohne Heckrotor)
Verwandlunghubschrauber/Tiltrot
Abkürzungen und Fachbegriffe
Fachbegriffe:
"Hovern" - englischer Begriff für Schwebeflug, langsamer Vorwätsflug in Bodennähe
"Pitch" - Steuerorgan des Piloten zur kollektiven (gleichmässigen) Hauptrotorblattverstellung
"Stick" - Steuerorgan des Piloten zur zyklischen (periodischen) Hauptrotorblattverstellung.
"NOTAR" - NO Tail Rotor - ohne Heckrotor
Abkürzungen:
MPC = Maximale kontinuierliche Leistung
OGE = Out of Ground-Effect - Ausserhalb des Boden-Effektes
IGE = In Ground-Effect - Innerhalb des Boden-Effektes
Auftrieb im Schwebeflug
Genau wie das Flugzeug,
ist der Hubschrauber (da der Hubschrauber unter den Drehflüglern eine
bevorzugte Stellung einnimmt, beziehen sich unsere Betrachtungen
vornehmlich auf ihn) ein Luftfahrzeug schwerer als Luft. In beiden
Fällen muß die Gewichtskraft durch eine entgegengesetzte Auftriebskraft
überwunden werden.
Durch die
Drehgeschwindigkeit des normalerweise aus mehreren Rotorblätterr
bestehenden Rotors wird das Profil angeblasen und umströmt. Der
entstehende Auftrieb ist abhängig vom Anstellwinkel und der
Strömungsgeschwindigkeit; diese wiederum ergibt sich aus der Drehzahl
bzw. der Umfangsgeschwindigkeit. Es besteht also keine Beziehung
zwischen der Geschwindigkeit des Rumpfes zur umgebenden Luft und der
Drehgeschwindigkeit des Rotors. Der Hubschrauber ist
senkrechtstartfähig; er benötigt keine Vorwärtsbewegung und er kann auf
der Stelle schweben (auch ,,hovern" genannt).
Die Luftströmung verläuft
hierbei von oben nach unten durch den Rotorkreis. Durch den positiven
Anstellwinkel entsteht eine Beschleunigung der durch den Rotorkreis
fließenden Luftmasse. Diese Beschleunigung ruft eine Reaktionskraft
hervor, die als Schub bezeichnet wird. Im Schwebeflug muß der
Rotorschub gleich dem Hubschraubergewicht sein.
Da aber der im Rotorabwind liegende Rumpf der Luftströmung einen
Widerstand entgegensetzt, muß dieser zusätzlich überwunden werden.
Deshalb muß der für den Schwebeflug erforderliche Rotorschub, abhängig
von der Form und Größe des Rumpfes, um etwa 2 bis 3 % größer sein als
das Hubschraubergewicht.

Boden-Effekt/Ground-Effekt
Schwebeflug mit Bodeneffekt
Beim Schwebeflug in
Bodennähe (Höhe des Rotors über Grund etwa gleich dem Rotordurchmesser)
kann der Luftstrom durch die Bodenreibung nicht so schnell abfließen
wie er durch den Rotor gefördert wird. Hierdurch entsteht ein
Luftpolster mit leichtem Überdruck.
Der Hubschrauber ist in der Lage in dieser Höhe mit geringerer
Triebwerksleistung zu schweben als in unbeeinflußter Atmosphäre.
Andererseits kann er bei gleicher Triebwerksleistung größere Lasten
heben. Der Bodeneffekt ist beim Hubschrauberstart und bei Einsätzen im
Hochgebirge von großer Bedeutung.
Vertikaler Steig- und Sinkflug
Um aus dem Schwebeflug in
den senkrechten Steigflug überzugehen, muß der Einstellwinkel aller
Rotorblätter gleichmäßig durch den kollektiven Blattverstellhebel
(Pitch) vergrößert werden. Eine Vergrößerung des Rotorschubes und des
Auftriebes bringt auch eine Vergrößerung des Blattwiderstandes mit
sich, der durch erhöhte Triebwerksleistung überwunden werden muß. Das
Angleichen der Motorleistung kann sowohl durch einen Drehgasgriff als
auch automatisch über Triebwerksleistungsregler erfolgen.Sobald der
Hubschrauber in einen gleichmäßigen Steigflug übergegangen ist, kann
der Rotorschub auf eine Größe reduziert werden, die dem Gewicht plus
dem Widerstand der Zelle entspricht.

Wird der Anstellwinkel
durch drücken des kollektiven Blattverstellhebels verkleinert,
verringern sich Rotorschub und Auftrieb - es wird der Sinkflug
eingeleitet. Soll die Rotordrehzahl konstant bleiben, so muß die
Triebwerksleistung verringert werden, da der Widerstand der
Rotorblätter ebenfalls kleiner geworden ist.

Kräftegleichgewicht beim Schwebeflug und Horizentalflug

Rotoranordnungen

Konventionelle Bauweise: - 1 Hauptrotor - 1 Heckrotor zum Momentausgleich

Koaxiale Bauweise : - 2 Hauptrotoren - gegenläufig - die Momente heben sich gegenseitig auf

Tandemanordnung : - 2 Hauptrotoren - hintereinander - gegenläufig - die Momente heben sich gegenseitig auf

Paralellanordnung : - 2 Hauptrotoren - nebeneinander - gegenläufig - die Momente heben sich gegenseitig auf
Ineinander Kämmend : - 2 Hauptrotoren - ineinanderkämmend - gegenläufig - die Momente heben sich gegenseitig auf
NOTAR (No Tail Rotor/ohne Heckrotor)
Drehmomentausgleich ohne Heckrotor
Das System NOTAR (No
Tailrotor) ist eine altanative Lösung des Drehmomentausgleiches bei
Hubschraubern mit einem Hauptrotor. Bei diesem System wird der Schub
nicht durch einen
Heckrotor erzeugt, sondern durch ein Gebläse in Verbindung mit einer
verstellbaren Steuerdüse. Darüber hinaus ist der Leitwerksträger
(Heckausleger) aerodynamisch so geformt, daß die nach unten
vorbeiströmende Luft des Hauptrotors (Downwash) diesen Schub
unterstützt (siehe Animation).
(Michael Köllner)
Verwandlunghubschrauber/Tiltrotor
Tiltrotor ( Kipprotor- oder Verwandlungshubschrauber) hier die Bell Model 609
Bei dieser Bauweise der
Drehflügelflugzeuge stand, wie beim Kombinations-Flugschrauber, die
Erhöhung der Fluggeschwindigkeit im Vordergrund. Nur daß sich
hier die Konfiguration der Flugmaschine änderte: während des Fluges
wird aus einem Hubschrauber, durch Schwenken des Rotors nach vorn, ein
normales Flugzeug mit hoher Fluggeschwindigkeit.In neuerer Zeit versucht man sogar, unter Benutzung gesonderter Vortriebsorgane und dann falt- und einziehbarer Rotoren, die Geschwindigkeit in den Überschallbereich zu bringen. Die Schwierigkeiten bei der Entwicklung der Verwandlungshubschrauber bestehen darin, daß ein guter und leistungsfähiger Hubschrauberrotor nicht immer auch gleichzeitig ein guter Propeller für den Reiseflug sein kann, weil die Arbeitsbedingungen für beide grundverschieden sind. Die Vorteile sind aber so bestechend, daß von fast allen Herstellerfirmen an diesen Projekten zumindest theoretisch gearbeitet wird.
Nur die Firma Bell Textron, in Zusammenarbeit mit Boeing, hat diese Art von Hubschrauber bis zur Serienreife gebracht, mit dem Militärtransporter V-22 "Osprey" für das Marinecorps der USA.
In der weiteren Entwicklung steht auch ein ziviler Verwandlungshubschrauber, die Bell 609 ( siehe oben ) die wohl eine Revolution auf dem zivilen Markt der Geschäftsflugzeuge darstellt (ich habe ein Mock-Up auf der ILA 98 in Berlin gesehen und sie machte einen sehr guten Eindruck).
(Michael Köllner)


