Exponate
Focke Achgelis FA-330

Um den Sichtkreis für U-Boot-Besatzungen zu erweitern, wurde Anfang 1942 innerhalb weniger Monate ein motorloser Kleintragschrauber, die Fa 330, konstruiert und gebaut. Infolge der geringen Flächenbelastung von nur 4 kg/m2 konnte die Maschine bereits bei Geschwindigkeiten von 30 km/h an einem Seil wie ein Drachen von einem U-Boot geschleppt werden. Der Aufbau war so einfach wie möglich. Der Rumpf bestand aus einer Stahlröhre, an deren Heck sich in normaler Anordnung angenähert rechteckige Höhen- und Seitenflossen befanden. Dahinter hing ein windfahnenartiges Seitenruder. Der durch Kippen des Kopfes gesteuerte Rotor mit 7,31 m Durchmesser besaß drei Flügel, die untereinander verspannt waren. Er saß auf einer zweiten Stahlröhre, die leicht nach vorne geneigt auf der Rumpfröhre stand und die gleichzeitig die Rückenlehne des offenen Pilotensitzes abstützte. Für Start und Landung waren noch zwei kleine Kufen vorhanden. Der Prototyp ging als komplette Einheit in den Windkanal von Chalais-Meudon zur Flugerprobung, die die Brauchbarkeit des Gerätes bewies. Obwohl die Entwicklungsabteilung der Focke Achgelis-Werke zu dieser Zeit infolge der Luftangriffe bereits nach Laupheim verlagert worden war, lief die Serienfertigung im Werk Delmenhorst an, weil die leichten Geräte bei Fliegeralarm in den Keller getragen werden konnten. Über hundert Fa330 wurden noch fertiggestellt. Für den Einsatz auf U-Booten ließen sich die Geräte zusammenklappen und in zwei Röhren, die im Turm oder Rumpf der Boote lagen und von außen wasserdicht verschlossen werden konnten, unterbringen. Die eine Röhre nahm den Rotorkopf mit den drei Blättern, die zweite den restlichen Teil auf. Die Zeit für die Montage der Fa 330 vom Augenblick des Öffnens der Deckel bis zum Anlassen des Rotors betrug sieben Minuten, die Zeit für die Demontage zwei Minuten. Für den Gefahrenfall im Einsatz besaß das Muster noch einige weitere bemerkenswerte Details. So konnte der Rotor vor dem Berühren der Wasseroberfläche abgeworfen werden, um den Piloten im Wasser durch den umlaufenden Drehflügel nicht zu gefährden. Für den Absturz aus größeren Höhen war ein Fallschirm eingebaut, der nach dem Abwerfen des Rotors die etwa 40 kg schwere Restmaschine zusammen mit dem Piloten nach unten trug. Der Pilot hatte seine Gurte erst im Wasser zu lösen. Die Grundausbildung der Piloten erfolgte ebenfalls im Windkanal von Chalais-Meudon von einem gummigepolsterten Starttisch aus. Einige Fa 330 wurden mit einem Zweiradfahrgestell ausgerüstet und dienten in der Flugschule Geinhausen zur Weiterausbildung mittels Windenschlepp oder hinter einem Kraftwagen. Als weitere Ausbildungsstufe erfolgte der Schlepp von einem schnellen Motorboot, auf dessen Heck ebenfalls ein Starttisch aufgebaut war. Der U-Boot-Einsatz der Fa 330 erfolgte auf den »Monsun«-Ostindienbooten der deutschen Kriegsmarine. Es waren dies Boote des Typs IX D 2 mit 87,6 m Länge und 1804 m3 gesamter Wasserverdrängung

